Weiterbildungstagung 2008

Mit rund 60 Teilnehmenden fand am Samstag, 24. Mai 2008 an der EB Zürich die zweite OSS-Weiterbildungstagung statt.

Wie und wo wird Freie Software und offenes Wissen im Schulalltag eingesetzt? Wie erhält man Support für Open Source Software und welche rechtlichen Aspekte gilt es zu berücksichtigen? Antworten auf diese Fragen standen in Fachreferaten, Fallbeispielen und Workshops im Zentrum.

Einige Impressionen aus den Vorträgen. Noch einmal besten Dank an die grosszügigen Sponsoren:

   


Programm

09.00h   Kaffee und Gipfeli  
09.30h   Begrüssung durch Jacqueline Peter, SVIA und Matthias Stürmer, /ch/open  
09.35h "RTFM!" - Wie man Hilfe von der FOSS Community bekommt und wie nicht Marcus Dapp, ETH Zürich
10.10h Praxisbeispiel Linux Desktops in der Primarschule Ried-Brig Mario Fux, Universität Zürich
10.50h Wikipedia in der Schule - Verbieten oder verwenden? Nando Stöcklin, PH Bern
11.10h   Pause  
11.30h Open Source als rechtliches Konzept Dr. Christian Laux, Anwalt
12.10h OSS auf dem Mac - Eine aktuelle Übersicht erprobter Programme Martin Ammann, Gymnasium Linde Biel
12.30h Work in Progress - Einsatz von FOSS an der BerufsBildung Winterthur Wolfgang Pfalzgraf, BerufsBildung Winterthur
12.40h Ubuntu-Stolpersteine im Alltag Joe Schütz, educa.ch
12.50h   Gemeinsames Mittagessen  
14.00h   Workshops (Details siehe unten)  
  1. Einstieg Thin Client System mit LTSP (Linux Terminal Server Project)  
  2. OSS-Einführungsprojekte in Schulen  
  3. Online-Lerninhalte produzieren mit Open Source Software  
  6. Attraktive Publikationen mit Scribus und GIMP  
15.30h   Pause  
15.50h   Kurzpräsentationen (Details siehe unten)  
  Creative Corner - freie digitale Kultur an Schulen Christoph Meier und Peter Gassner
  FreieComputer.ch Norbert Bollow
  Thin Client Demoanlage Theo Schmidt
  Opensource im Unterricht für Erwachsene Hans Huonker
  CH Open Source Award 2008 - Kategorie Youth Award Matthias Stürmer
  LPI-Zertifizierung für Auszubildende Simone Glinz
16.20h   Fazit und Diskussion im Plenum  
16.40h   Abschluss und Apéro  

Referate am Morgen

"RTFM!" - Wie man Hilfe von der FOSS Community bekommt und wie nicht

Wer sich mit Freier/Open Source Software (FOSS) auseinanderzusetzt, hört bald von der berühmten "Community", die einem bei Problemen unentgeltlich und rasch helfen würde. Die Frage ist nur, wo sind die denn alle? Wie finde ich sie, wenn ich ein Problem, eine Idee oder einen Fehler gefunden habe? Und was ist der Unterschied zum Bezahl-Support von propietären SW-Herstellern? Da es sich bei der FOOS Community um eine Werte-Gemeinschaft handelt, sollte man verstehen, wie(so) sie funktioniert. Der Vortrag gibt einen Einblick in die vielfältigen Kanäle, sowie Tips zu DOs and DONTs im täglichen Umgang.

Referent: Marcus M. Dapp, ETH Zürich, Doktorand and Forschungsassistent im Bereich Open Source Software, www.digisus.info

Praxisbeispiel Linux Desktops in der Primarschule Ried-Brig

Seit mehr als 3 Jahren arbeitet die Grundschule der Gemeinde Ried-Brig schon mit ihrem GNU/Linux-Desktops auf KDE und (Free)NX Basis. Dass dabei die alte eingesetzt Lernsoftware eigentlich für Windows geschrieben wurde, fällt nur wenigen auf; dass nun aber auch von zu Hause übers Internet der gleiche Desktop wie in der Schule auch nach Hause geholt werden kann, egal welches Betriebssystem dort wohnt, interessiert schon eher.

Referent: Mario Fux, Student der Pädagogik, Informatik und Computerlinguistik an der Universität Zürich

Open Source als rechtliches Konzept

Es gibt eine Vielzahl von Lizenzen für sogenannten Open Content sowie für Open Source Software. Alle diese Lizenzen folgen demselben Grundprinzip: Das Recht wird dazu benutzt, Kreativität zu erleichtern. Der Vortrag präsentiert das Grundprinzip und gibt einen kurzen Überblick seiner Spielarten.

Referent: Dr. Christian Laux, Anwalt in Kanzlei Niederer Kraft & Frey und Mitgründer von Openlaw, Plattform für Recht und freie Software

OSS auf dem Mac - Eine aktuelle Übersicht erprobter Programme

Seit vielen Jahren wird an unserem Gymnasium die ICT-Ausbildung integriert angeboten: Anstatt in eigens dafür vorgesehenen Lektionen bestimmte Inhalte zu vermitteln wird damit gewartet, bis es vom Thema her Sinn macht. So können beispielsweise im Englisch die Grundlagen der Audiobearbeitung anhand von News gelernt, im Bildnerischen Gestalten (Trick)-Filme produziert und im PPP Umfragen statistisch ausgewertet werden. Da wir an unserer Schule im Unterrichtsbereich ausschliesslich Apple Macintosh benutzen, hat in den letzten Jahren – dank der Unix-Basis von MacOS X – die verfügbare Open Source Software stark zugenommen. Der Vortrag bietet einen aktuellen Überblick.

Referent: Martin Ammann, ursprünglich Primarlehrer, heute ICT-Verantwortlicher am Gymnasium Linde in Biel und am Institut für Heilpädagogik der PHBern.

Work in Progress - Einsatz von FOSS an der BerufsBildung Winterthur

An der BerufsBildung Winterthur wird nach Möglichkeiten gesucht, um auf FOSS umsteigen zu können. Über erste Erfahrungen kann bereits berichtet werden: Auf allen neu beschafften Rechnern wird neben MS-Office auch OpenOffice.org installiert. Im Sprachunterricht wird der Einsatz von Pauker getestet. Und Ende 2007 stehen zwei Wagen mit je 20 Ubuntu-Laptops im Einsatz.

Referent: Wolfgang Pfalzgraf-Tross, Physiklehrer, ICT-Verantwortlicher der BMS der BerufsBildung Winterthur

Ubuntu-Stolpersteine im Alltag

Weshalb setzt sich Linux nicht schneller durch? Wieso scheitern einige Neueinsteiger und landen wieder bei Windows? Welches sind die häufigsten Ursachen des Scheiterns? Wo gibt es tellerfertige Abhilfe zu solchen Ursachen? Mit jedem Erscheinen einer neuen Distribution versuchte der Referent erneut den Linux-Einstieg zu meistern und kann nun über Stolpersteine und deren Lösungen berichten.

Referent: Joe Schütz, educa.ch


Angebotene Workshop Sessions

1. Einstieg Linux Thin Client Installation

Linux Thin Clients bieten mehrere Vorteile für Schulen. Neue Thin Clients sind kostengünstig, wartungsfrei, langlebig, lautlos, klein und haben minimalen Stromverbrauch. Andererseits können auch alte PCs als Thin Clients eingesetzt werden wodurch kaum zusätzliche Kosten anfallen (evt. neue Netzwerkkarte), die "volle Server-Leistung" auch auf den Altgeräten möglich ist, optische Laufwerke weiterhin benutzbar sind und keine Festplatten mehr benötigt werden. Generell besitzen Thin Clients Vorteile wie zentrale System-Administration, Datenspeicherung sowohl zentral wie lokal (z.B. USB-Sticks), Zugriff auf Daten und/oder Programme auch von zu Hause möglich und selbst Audio und einfache Video-Anwendungen sind weiterhin möglich.

Inhalt, Lernziele: Einführung Linux Terminal Server Project (LTSP), Demo-Installation, Konfiguration

Verlangtes Vorwissen: Linux Grundlagen und Netzwerk-Kenntnisse

Anzahl Teilnehmer: mind. 3, max. 15

Workshopleiter: Amadeus Wittwer, Linux-Administrator Meteotest; Theo Schmidt, Präsident Wilhelm Tux, Projektleiter Thin Client Demo-Anlage

2. OSS-Einführungsprojekte in Schulen

Open Source Software ist attraktiv für Schulen dank niedrigeren Kosten, höherer Sicherheit und Zuverlässigkeit bei kleinem Betriebsaufwand und insbesondere auch dank einer sehr grossen Auswahl an Softwarepaketen. Wie aber kann eine Schule ihre Informatik auf Linux migrieren oder neu aufbauen? Welche Erfahrungen haben andere Schulen bereits damit gemacht? Welche Vorteile, aber auch welche Nachteile bringt Open Source Software und Linux für die Schule, die Lehrkräfte und die Schüler? Solche und ähnliche Fragen werden anhand eines Fallbeispieles "Einführung von Linux an der Schule" besprochen.

Inhalt, Lernziele: Einführungsprojekt von OSS/Linux leiten und durchführen, Migrationen zu Linux planen und umsetzen, Auswahl der Architektur und Hardware, was ist bei Ausschreibungen zu berücksichtigen, anfallende Initial- und wiederkehrende Kosten, wer kann Support leisten

Verlangtes Vorwissen: konkrete Fragen zum Thema, ev. bereits gemachte Erfahrungen

Benötigte Infrastruktur: keine

Anzahl Teilnehmer: mind. 3, max. 20

Workshopleiter: Martin Gafner, stv. Bereichsleiter Operations von Puzzle ITC

3. Online-Lerninhalte produzieren mit Open Source Software

OSS kann auch zur Produktion konkreter Online-Lerninhalte genutzt werden. Am Beispiel des OS-Learning Management Systems (LMS) „moodle“ wird aufgezeigt, wie die Brücke vom technischen Werkzeug zum didaktisch konzipierten und nutzbaren (Lern-)Inhalt geschlagen wird. Durch kreative Nutzung der gewünschten Basisapplikationen und gezielten Weiterentwicklungen werden aus den bekannten, jedoch auch einschränkenden LMS-Formaten völlig individuelle und multimediale Lernangebote, welche für die Nutzenden nicht einmal mehr als LMS-basierte Lerninhalte erkennbar sind.

Inhalt, Lernziele: Grundlegende didaktische und betriebswirtschaftliche Überlegungen, Erstellung und Betrieb/Unterhalt von Online-Lerninhalten, Einblick in die Arbeit mit einem LMS wie Moodle als „Produktionstechnik“, pädagogisch-didaktische Argumente für den Einsatz von OSS.

Verlangtes Vorwissen: grundsätzlich kein spezifisches Vorwissen. Interesse für didaktisch-pädagogische Fragen/Aspekte von Vorteil.

Anzahl Teilnehmer: mind. 5, max. 20

Workshopleiter: Matthias Vatter und Othmar Wehle, LerNetz AG

KAM NICHT ZUSTANDE: 4. Didaktischer Umgang mit Blogs und Wikis

Wikis und Blogs sind trendige Internet-Instrumente und eignen sich zur individuellen Erarbeitung und Vertiefung von Lerninhalten sowie zur effizienten Zusammenarbeit von Lerngruppen im Netz. Der sinnvolle Einsatz dieser Instrumente unterstützt das selbst gesteuerte und lebenslang aktive Lernen und fördert Kompetenzen wie Kommunikations-, Sozial- und Lernkompetenz. Wie werden diese neuen Medien sinnvoll eingesetzt? Welche didaktischen Aspekte sind zu berücksichtigen?

Inhalt, Lernziele: Erfolgreiche Beispiele von Wiki und Blog-Einsatz in Lerngruppen und beim individuellen Lernen kennen lernen. Lernstrategien mit Blogs und Wikis umsetzen.

Verlangtes Vorwissen: Gute Computer- und Internetkenntnisse und Interesse für didaktisch-pädagogische Fragen von Vorteil.

Anzahl Teilnehmer: mind. 6, max. 20

Workshopleiter: Miriam Fischer, Projektleiterin und Ausbilderin EB Zürich, Autorin netzlernen.ch

KAM NICHT ZUSTANDE: 5. Open Source und Creative Commons-Lizenzen

Das Urheberrecht privilegiert den Unterricht in der Klasse. Lehrpersonen brauchen nicht für jede Einzelnutzung eine urheberrechtliche Erlaubnis einzuholen, vielmehr ist für den Unterricht in der Klasse jede Werkverwendung erlaubt. Mit dem Schlussgong aber endet neben dem Unterricht auch die Sonderregelung. Open Source öffnet hier neue Wege.

Inhalt, Lernziele: Korrekter Umgang mit freien Inhalten, eigene und fremde Werke veröffentlichen, die Unterschiede der zahlreichen Open Source Lizenzen, die korrekte Verwendung von Creative Commons Lizenzen, was ist legal und was nicht.

Verlangtes Vorwissen: keines

Anzahl Teilnehmer: keine Beschränkung

Workshopleiter: Dr. Christian Laux, Anwalt in Kanzlei Niederer Kraft & Frey und Mitgründer von Openlaw, Plattform für Recht und freie Software

6. Attraktive Publikationen mit Scribus und GIMP

Mit dem Open Source Layout-Programm Scribus kann jeder technisch und gestalterisch anspruchsvolle Dokumente erstellen, denn Scribus läuft auf allen gängigen Betriebssystemen und ist in wenigen Stunden erlernbar. Für die Bildbearbeitung ist GIMP die fortschrittlichste Open Source Anwendung, die Adobe Photoshop nur wenig unterlegen ist und ebenfalls plattformunabhängig auf Linux, Mac und Windows läuft.

Inhalt, Lernziele: Dokumente mit Texten und Bildern in Scribus layouten, Vorlagen erstellen, Exportieren als PDF für Druck und Internet, Einführung Bildbearbeitung mit GIMP

Verlangtes Vorwissen: Beherrschen von Textverarbeitungs-Software, wissen was ein Pixel ist und sich im Dateiexplorer des eigenen Betriebssystems zurechtfinden

Benötigte Infrastruktur: Eigenen Laptop mit Netzteil mitbringen (Betriebssystem spiel keine Rolle), vorinstalliertes Scribus (ist notfalls auch als USB-Stick am Workshop erhältlich)

Anzahl Teilnehmer: mind. 5, max. 12

Workshopleiter: Paolo Donnicola, Inhaber donnicola design für Animationen und Visualisierungen, dipl. Interaktionsleiter FH Hyperwerk


Kurzpräsentationen

CreativeCorner

CreativeCorner ist eine Plattform zur Förderung der freien digitalen Kultur an Schulen. Das Projekt ist in zwei Teile gegliedert: CreativeBox ist eine digitaler Kiosk zum Beziehen von freier Software, Musik, Filmen etc. CreativeContent bietet Workshops für die Erstellung eigener Inhalte. Für das Projekt werden engagierte Lehrkräfte für eine Zusammenarbeit gesucht.

Referenten: Christoph Meier und Peter Gassner, [project21] studentische Organisation für nachhaltige Entwicklung

FreieComputer.ch

Beim FreieComputer.ch Projekt geht es um Computer, wo Betriebssystem und Anwendungsprogramme zu 100% freie Software sind. Eine Softwareauswahl wird zusammengestellt und nebenberuflicher Support organisiert. Um sicherzustellen, dass die Softwareauswahl die Bedürfnisse des Einsatzes in Schulen abdeckt, wird die Zusammenarbeit mit Lehrkräften gesucht.

Referent: Norbert Bollow, Initiant des FreieComputer.ch Projekts

Thin Client Demo Anlage

Referent: Theo Schmidt, Initiator und Koordinator Thin Client Demo Anlage

Open Source Weiterbildungsmöglichkeiten an der EB Zürich

Referent: Hans Huonker, EB Zürich

One-Laptop-Per-Child in der Schweiz

Referent: Beat Döbeli Honegger, PHZ Schwyz

informatica08-Projekte der /ch/open

Das Jahr der Informatik 2008 - informatica08 - betont die Schlüsselrolle der Informations- und Kommunikationstechnologien für den Wissensstandort Schweiz. Als Mitglied der Trägerschaft führt die /ch/open mehrere eigene informatica08-Projekte zur Förderung der Offenheit in der ICT-Landschaft durch, u.a. auch den CH OPEN SOURCE AWARD mit der Kategorie Education und gesponsorte LPI-Prüfungen für Leute in Ausbildung.

Referent: Matthias Stürmer, /ch/open Vorstandsmitglied

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